14.11.2007

Christie William November 2007

Biografie
William Christie

William Christie, Cembalist, Dirigent, Musikwissenschaftler und Pädagoge, gründete eines der wichtigsten Ensembles im Bereich der Alten Musik (Les Arts Florissants) und gab der historischen Aufführungspraxis in den letzten zwanzig Jahren entscheidende Impulse. Mit seiner Pionierarbeit verhalf er der Barockmusik in Frankreich, insbesondere dem französischen Repertoire des 17. und 18. Jahrhunderts, zu einer neuen Wertschätzung bei einem wachsenden Publikum.

William Christie wurde in Buffalo (im Staat New York) geboren, studierte an den Universitäten von Harvard und Yale und lebt seit 1971 in Frankreich. Der entscheidende Wendepunkt in seiner Karriere kam 1979 mit der Gründung von Les Arts Florissants. Als Leiter dieses Vokal- und Instrumentalensembles hat sich Christie bald mit neuen Interpretationen von vernachlässigtem oder vergessenem Repertoire aus Oper und Konzert einen Namen gemacht. 1987 erntete er mit der Produktion von Lullys "Atys" an der Opéra Comique in Paris erstmalig große öffentliche Anerkennung, und auch die anschließende internationale Tournee mit dieser Produktion war sehr erfolgreich.

William Christies Verdienste um die französische Barockmusik sind unbestritten, ob es sich um Werke von Charpentier oder Rameau, Lully, Couperin, Mondonville, Campra oder Montéclair, um die Werke der "Tragédie lyrique" oder der "Opéra-ballet", französische Motetten oder die Musik am französischen Hof handelt. Bei aller Begeisterung für die französische Musik hat er das Repertoire der europäischen Nachbarländer nicht vernachlässigt; so brachte er viele Werke von italienischen Komponisten wie Monteverdi, Rossi und Scarlatti mit großem Erfolg zur Aufführung. Auch Purcell, Händel und Mozart nehmen einen wichtigen Platz in seinem Repertoire ein, wie der umfangreiche Katalog seiner Veröffentlichungen zeigt. Über 70 Einspielungen liegen von ihm vor, viele von ihnen preisgekrönt.

Die CD-Veröffentlichung einiger Sonaten für Violine und Cembalo von Händel im Januar 2003 bei Virgin Classics mit dem Geiger Hiro Kurosaki (Konzertmeister bei Les Arts Florissants) war seine erste Einspielung seit Vertragsunterzeichnung als "non-exclusive artist". Mit dem Repertoire dieser CD gingen er und Hiro Kurosaki im Januar 2003 auf Europa-Tournee. William Christies zweite Aufnahme für Virgin Classics, den "Grands Motets" des französischen Barockmeisters André Campra gewidmet und eingespielt mit dem Ensemble Les Arts Florissants, erschien im Herbst 2003. Eine weitere Campra-CD erschien im Mai 2005: "Salve Regina" und "Petits Motets" (gekoppelt mit Werken von Couperin).

Im Rahmen einer großen Jubiläumstournee (25-jähriges Jubiläum von Les Arts Florissants und dem 300. Todestag des französischen Barockkomponisten Marc-Antoine Charpentier) wurden das "Te Deum" und die "Grand Office des Morts" von Charpentier aufgenommen. Die Einspielung erschien im September 2005 auf CD und Les Arts Florissants wurde für diese Aufnahme mit einem "ECHO Klassik 2006" in der Kategorie "Ensemble - Orchester des Jahres" ausgezeichnet.

Der Suggestionskraft des "Te Deum" steht auch Charpentiers Oratorium "Judicium Salomonis" (Das Urteil des Salomon) in nichts nach. Im Oktober 2006 legten William Christie und Les Arts Florissants bei Virgin Classics dieses wahrscheinlich letzte große Werk des französischen Barockmeisters auf CD vor - kombiniert mit der festlichen Motette "Motet pour une longue offrande", einer weiteren bedeutenden Rarität.

William Christie zeichnet für die musikalische Leitung von zahlreichen Opernprojekten verantwortlich, und seine Produktionen in Zusammenarbeit mit berühmten Opernregisseuren wie Jean-Marie Villégier, Robert Carsen, Alfredo Arias, Jorge Lavelli, Graham Vick, Adrian Noble und Andrei Serban werden in der Musikszene als herausragende Ereignisse gefeiert. Als gefragter Gastdirigent wird William Christie oft zu großen Opernfestivals eingeladen und mit seinem Ensemble ist er u.a. regelmäßig beim Festival von Aix-en-Provence zu Gast. Von den zahlreichen Produktionen, die er dort geleitet hat, ist die begeistert aufgenommene Neuproduktion von Monteverdis "Il Ritorno d'Ulisse in patria" (2002), eine Produktion, die Ende Januar 2004 bei Virgin Classics auf DVD erschien.

William Christies besonderes Engagement gilt der Ausbildung und Unterstützung junger Künstler; in den letzten 25 Jahren hat er ganze Generationen von Sängern und Instrumentalisten unterrichtet. Viele der heute führenden Dirigenten im Bereich der Barockmusik begannen ihre Laufbahn bei Les Arts Florissants. Von 1982 bis 1995 war Christie Professor am Conservatoire de Paris und leitete die Klasse für historische Aufführungspraxis. Regelmäßig leitet er zahlreiche Meisterklassen und Sommerkurse u.a. in Aix-en-Provence und Ambronay. Außerdem hat er 2002 "Le Jardin des Voix", einen europäischen Workshop ins Leben gerufen, der junge Sänger im Bereich der authentischen Aufführungspraxis schult und ihnen die Möglichkeit einer ausgedehnten Konzerttournee gibt. Auf der im Februar 2006 bei Virgin Classics erschienenen CD "Le Jardin des Voix" stellt Christie sieben der jungen Talente vor. Ab der Saison 2007/08 gehen William Christie und Les Arts Florissants mit der renommierten New Yorker Juillard School eine Partnerschaft ein. Sie werden jeweils pro Saison während eines einwöchigen Gastaufenthaltes intensiv mit ausgewählten Studenten am Repertoire des 17. und 18. Jahrhunderts arbeiten.

1993 wurde William Christie, der 1995 auch die französische Staatsbürgerschaft erhielt, zum Mitglied der französischen Ehrenlegion ernannt und trägt den Titel "Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres".
Im Oktober 2006 wurden William Christie und Les Arts Florissants mit einem "Echo Klassik 2006" in der Kategorie "Ensemble des Jahres (Alte Musik) ausgezeichnet.

Stand: November 2007