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01.12.2008

Biografie: Dezember 2008

BIOGRAFIE

November 2008

Für eine Band, die oft als Mauerblümchen beschimpft wurde, haben sich Starsailor seit ihrem Debüt von 2001 mit dem grandiosen "Love Is Here" auf höchst unterschiedliche und ungewöhnliche Zeitgenossen eingelassen. Damals kamen die gerade mal 19-Jährigen direkt vom Music College in Wigan und fanden sich plötzlich in der Welt von Heavenly Recordings wieder, einem Label, das dafür bekannt ist, dass man dort vielfältige Sozialkontakte pflegt, das Leben genießt, und sich mit Primal Scream, Happy Mondays und The Charlatans gut steht. So war es denn auch der legendenumrankte DJ Andrew Weatherall, der ihren ersten Remix machte. Zwar war die Band bei EMI unter Vertrag, aber der Begründer von Heavenly, der Hansdampf in allen Gassen Jeff Barrett, nahm sich als A+R der Band an und begleitete sie während ihrer ersten zwei Alben, die beide höchst erfolgreich waren. Tatsächlich sollte das zweite Album, "Silence Is Easy" von 2004, das letzte Projekt des Produzentengenies und sorglosen Waffenbesitzers Phil Spector sein. Nicht gerade die Art Gesellschaft, die man Starsailors angeblichen Artgenossen von Snow Patrol oder Keane zutrauen würde.
Und um etwas mehr Aktualität ins Spiel zu bringen: Ihr neuestes Album "All The Plans" - das erste für Virgin und ganz nebenbei bemerkt eine triumphale Rückkehr zu jenem ambitionierten Schaffensdrang und der dazugehörigen ungebremsten emotionalen Wucht, mit der sie sich ursprünglich in der Musikszene etablierten - bietet unter anderem eine Aufnahmesession mit dem berüchtigten stillen Mann des Rock, Ronnie Wood. Was manch einen ebenfalls überraschen dürfte, ist die Tatsache, dass die Band über drei Millionen Alben weltweit verkauft hat und eine der wenigen britischen Bands ist, die es in ihrem Vertrag bis zu einem vierten Album geschafft hat. Haben Sie jetzt vielleicht das Gefühl, die Band bislang etwas falsch eingeschätzt zu haben? Höchste Zeit, umzudenken.
Die frühen Jahre von Starsailor sind geprägt von halsbrecherischem Erfolg, gefolgt von ebenso schneller Schmähung. Die erste Kritik über die Band wurde geschrieben, als sie zum zweiten Mal in London spielten. Das war im Sommer 2000. Der Artikel endete mit der Feststellung, Starsailor seien die "neuen Coldplay" und mit der Vermutung, dass Plattenfirmen wohl schon Schlange stehen müssten. Was auch stimmte. Innerhalb von 18 Monaten und dank großen Zuspruchs seitens der Kritik fanden Starsailor sich als eine der größten neuen Bands in Großbritannien wieder, mit mehr als einer Million verkaufter Einheiten ihres Debütalbums.
"Das war alles wirklich unglaublich", lacht Walsh heute. "Es war, als würde man in eine total verrückte Welt katapultiert. Wir waren überhaupt nicht darauf vorbereitet. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass uns irgendwann jemand mit solcher Ablehnung begegnen würde. Fast ein ganzes Jahr lang hatten wir nur unglaublich positive Urteile über uns gehört und gelesen. Wir waren völlig unvorbereitet, als dann plötzlich die Sticheleien begannen."
Rückblickend betrachtet, waren es genau die Aspekte, die den Erfolg von "Love Is Here" ausmachten, die Starsailor auch zu einem so einfachen Ziel machten. Die unbesonnene Offenheit und Empfindsamkeit, mit der das Albums einherging, sowie die Tatsache, dass ihre Musik eine offensichtliche Hommage an Legenden wie Neil Young und Van Morrison war und sich weniger zeitgenössisch ausnahm, lieferte den Kritikern jene Waffen an die Hand, mit denen die Band dann traktiert wurde. Schnell wurden sie als veraltet gebrandmarkt, aufs Abstellgleis geschickt von New-Wave/Garage-Gitarrenbands wie den Strokes oder The White Stripes. Die Unmittelbarkeit und Vehemenz, mit der sie von der Presse kritisiert wurden, prägte die Band in allem, was sie in den folgenden Jahren unternahmen.
"Ich denke, wir sind vielleicht etwas zu defensiv geworden", gibt Walsh zu. "Wir wollten den Leuten beweisen, dass sie Unrecht hatten. Die Arbeit mit Phil Spector am zweiten Album - übrigens hat er nur zwei Stücke produziert, dann haben wir das Engagement aufgelöst - und danach "On The Outside" von 2005, was mehr wie eine amerikanische Rockscheibe klang, waren in gewissem Sinne unsere Antwort auf die Kritiker. Das neue Album zeigt, wie wir sind - wir haben gemerkt, dass unsere Reaktion unnötig war und haben uns wieder auf den Sound besonnen, den wir lieben, und mit dem wir uns überhaupt einen Namen gemacht haben."
"All The Plans" also. Ein Album, das einmal mehr unter der Regie des Produzenten Steve Osbourne entstanden ist und das eine Band präsentiert, die endlich erwachsen geworden ist. Walshs elegantes und melodiöses Songwriting geht einher mit einer kongenialen Gesangsleistung und klugen Texten, die die Songs richtig aufleben lassen.
Die erste Single, "Tell Me It's Not Over" ist eine straffe, aufrüttelnde Nummer und zweifellos eines der schönsten Stücke, das Starsailor jemals geschrieben haben. Doch es gibt auf dem Album noch einige solcher Stücke: das zerfahren wirkende, aber mitreißende "The Thames" etwa, oder das epische Titelstück des Albums, um nur zwei zu nennen - klingende Beweise für die zunehmende Konsistenz und Könnerschaft von Walshs Songwriting. Wenn man ihn darauf anspricht, wehrt Walsh leicht ab. Er findet es völlig verständlich, dass die Musik auf dem neuen Album so anders ist: "Vorher waren unsere Persönlichkeiten eben nicht so stark entwickelt wie sie es jetzt sind", sagt er. "Wir waren einfach nur Jungs von einer Musikhochschule in Wigan; wir hatten nicht viel zu sagen neben dem, was wir in den Songs ausdrückten. Dieses Album dagegen ist das Ergebnis all unserer Erfahrungen, der guten wie der schlechten."
Und das ist das Problem, mit dem sich nun all diejenigen auseinandersetzen müssen, die ihr Urteil über die Band schon gefällt haben. In Wirklichkeit sind Starsailor eine falsch verstandene britische Erfolgsgeschichte - und zwar eine, bei der die meisten Leute gerade mal an der Oberfläche gekratzt haben. Es gibt heutzutage nicht mehr so viele Bands, die es bis zu einem vierten Album durchhalten, und wenn sie es schaffen, haben sie einen guten Grund. Das bestätigt auch James Walsh mit herzhaftem Kopfnicken: "Wir sind alle irgendwie getrieben, wir mussten sehr viel Mut aufbringen, um so weit zu kommen. Wir werden weitermachen, bis wir das erreicht haben, was uns vorschwebt." Man sollte sich ihnen besser nicht entgegenstellen - sie sind hartnäckiger als man meinen möchte..
James Oldham, 2008

SINGLE "TELL ME IT'S NOT OVER" 20. FEBRUAR 2009

ALBUM "ALL THE PLANS" 27. FEBRUAR 2009

www.starsailor.net
www.myspace.com/starsailor
www.starsailor.de





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