07.11.2006

Love - Goerge Martin - German Bio

GEORGE MARTIN
Biographie

George Martin, eines der vielseitigsten und phantasievollsten Musiktalente, gab 1950 seinen Einstand in der Plattenindustrie, nachdem er zuvor an der Guildhall School of Music studiert und als Oboist in London gearbeitet hatte. Zunächst nahm er klassische Musik auf, wobei er sich auf die Barockära spezialisierte. Später sammelte er auch Erfahrungen mit Jazz und Pop, was 1955 seine Ernennung zum Leiter des Parlophone-Labels innerhalb der EMI-Gruppe zur Folge hatte.

Als Produzent holte Martin zahlreiche Künstler - insbesondere Comedians - ins Aufnahmestudio, darunter brillante Performer wie Peter Sellers, Spike Milligan, Flanders and Swann und das Team der berühmten Bühnenrevue "Beyond The Fringe" (Jonathan Miller, Peter Cook, Dudley Moore, Alan Bennett). Des Weiteren arbeitete er mit den Jazzkünstlern Cleo Laine, John Dankworth, Humphrey Lyttelton und dem legendären Stan Getz.

1962 verpflichtete Martin die Beatles für EMI - nicht zuletzt dieser Entscheidung verdanken sie ihre bemerkenswerte Karriere - und produzierte jedes ihrer Alben bis zur Auflösung der Band im Jahr 1970.

1965 gründete George Martin mit drei anderen Produzenten eine Produktionsgesellschaft, vier Jahre später entwickelte er den Plan für die AIR Studios, einen Studiokomplex im Zentrum von London. Bis heute ist diese mittlerweile in der Lyndhurst Hall, in Londons Stadtviertel Kentish Town angesiedelte Studiogruppe eine der erfolgreichsten der Welt. 1969 baute Martin zusätzlich die in der Karibik gelegenen AIR Studios Montserrat auf, die Künstlergrößen von überallher anzogen. Leider verwüstete Hurrikan Hugo die Insel Montserrat in den frühen Achtzigern, das Studio musste daraufhin schließen. Im Jahr 1995 verursachte ein Vulkanausbruch weitere verheerende Schäden auf der Insel.

Ab 1970 widmete Martin seine Zeit abwechselnd Arbeiten in den Vereinigten Staaten, auf Montserrat und in England. Er gründete einen eigenen Musikverlag, George Martin Music, und ging mit einer Vielzahl unterschiedlichster Künstler vom Mahavishnu Orchestra bis zum London Symphony Orchestra ins Studio. Er nahm sieben Alben mit America auf, zwei mit Jeff Beck ("Blow By Blow", "Wired") und ebenfalls zwei mit Paul McCartney ("Tug Of War", "Pipes Of Peace"), er produzierte Alben von Kenny Rogers, Gary Brooker (Procol Harum), Neil Sedaka, Jimmy Webb, UFO, Cheap Trick und Ultravox. Insgesamt gehen sage und schreibe dreißig Nummer-eins-Hits allein in England auf sein Konto - ein einsamer Rekord.

Als Komponist und Arrangeur ist Martin verantwortlich für die Musik zu einer Reihe von Filmen wie etwa "A Hard Day's Night" (mit einer Oscar-Nominierung bedacht), "The Family Way" (deutscher Verleihtitel: "Honigmond 67"), John Schlesingers "Honky Tonk Freeway" ("Da steht der ganze Freeway kopf"), "Yellow Submarine", "Pulp" ("Malta sehen und sterben"; mit Michael Caine und Mickey Rooney in den Hauptrollen), "The Optimists Of Nine Elms" ("Die Optimisten"; mit Peter Sellers) und den Bond-Klassiker "Live And Let Die" ("Leben und sterben lassen"; mit einem Grammy ausgezeichnet). Er fungierte zudem als musikalischer Leiter und Komponist des Kinowerks "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" (mit den Bee Gees, Alice Cooper, Peter Frampton und Aerosmith) sowie von "Give My Regards To Broad Street" und dem prämierten Cartoon "Rupert And The Frog Song", zwei Filmprojekten von Paul McCartney. Und auch die Titelmelodie der Fernsehserie "David Frost" und die Erkennungsmelodie von BBC Radio One stammen von ihm.

George Martin schrieb drei Bücher. Das erste handelt von seinen frühen Jahren im Musikgeschäft und trägt den Titel "All You Need Is Ears". Das zweite, "Making Music", betrachtet alle Aspekte des Musikmachens. "Summer Of Love (With A Little Help From My Friends)", das dritte und jüngste Buch, erzählt die Entstehungsgeschichte des Beatles-Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band".

1988 wurde George Martin in Anerkennung seiner Dienste für die Musikindustrie zum C.B.E. (Commander of the British Empire) ernannt. Außerdem verlieh ihm das weltberühmte Berklee College of Music in Boston, USA die Ehrendoktorwürde.

Im Jahr 1989 produzierte Martin eine Neuaufnahme von Dylan Thomas' Hörspiel "Under Milk Wood". Anthony Hopkins, Jonathan Pryce und walisische Künstler wie Tom Jones und Catherine Zeta Jones liehen der Produktion ihre Stimmen; Elton John, Rod Edwards, Andy Leek und Martin selbst verfassten die Begleitmusik.

1991 kündigte er den Aufbau weiterer AIR Studios in den Räumlichkeiten einer viktorianischen Kirche in Hampstead, London an. Martin war eng in die Gestaltung und Konstruktion des neuen Komplexes eingebunden, der im März 1993 mit Henry Mancini als Dirigent der ersten Aufnahmeserie in der Haupthalle des Studiogeländes eröffnet wurde. Seither dienten die Studios mehreren Oscar-Filmen und Künstlern wie den Dire Straits, Elton John, Oasis und Radiohead als Produktionsstätte. Bevor sich Martin 2006 aus Altersgründen als Vorsitzender zurückzog, sorgte er noch dafür, dass man die AIR Studios mit höchster Qualität gleichsetzt und zu den führenden Orten in Sachen Audio- und Videotechnologie zählt.

Im Juli 1992 zeichnete ihn die Universität in Salford mit dem Ehrentitel eines Master of Arts aus. Im selben Jahr produzierte und präsentierte Martin eine Fernsehdokumentation über die Entstehung des Beatlesalbums "Sgt. Pepper". Die Sendung wurde als britischer Beitrag beim Prix Italia eingereicht und gewann eine Goldene Palme auf dem Filmfestival in Cannes. Im Dezember 1992 fand nach monatelangen Vorbereitungen eine Benefizaufführung von "Under Milk Wood" zugunsten des Prince's Trust in Anwesenheit von Prince Charles statt.

Im April 1993 erlebte die Theaterproduktion von Pete Townshends "Tommy" ihre Premiere in New York und gewann schließlich fünf Tony Awards. George Martin produzierte das Album mit der Bühnenbesetzung, wofür er im März 1994 - nach einer Unterbrechung von zwanzig Jahren - seinen fünften Grammy erhielt.

Nachdem er ausverkaufte Sinfoniekonzerte in Schweden und Brasilien dirigiert hatte, produzierte Martin mit Larry Adler ein Album mit dem Titel "The Glory Of Gershwin" zur Feier von Adlers 80. Geburtstag. Das Projekt vereinte Stars wie Elton John, Sting, Oleta Adams, Carly Simon, Cher, Peter Gabriel, Sinead O'Connor, Elvis Costello, Lisa Stansfield, Meat Loaf, Jon Bon Jovi und Chris De Burgh.

Im Mai 1994 berief man George Martin zum Klangproduzenten und musikalischen Berater eines interkulturellen UNESCO-Konzertes, das im japanischen Nara stattfand. Unter dem Titel "The Great Music Experience" wurde die Veranstaltung vom Fernsehen rund um den Globus übertragen. Jon Bon Jovi, Bob Dylan, INXS, Joni Mitchell und Ry Cooder spielten an dem Abend gemeinsam mit dem Tokyo New Philharmonic Orchestra.

Im Anschluss daran produzierte Martin das Beatlesalbum "Live At The BBC", das weltweit mit über acht Millionen verkauften Exemplaren ein Riesenerfolg wurde. 1995 begann er mit der Arbeit an "The Beatles Anthology", einer gewaltigen Sammlung von Outtakes und Raritäten, bevor er für weitere Sinfoniekonzerte nach Schweden und Portugal aufbrach. 1996 beendete er die erfolgreiche Trilogie von Beatles-Outtakes mit "Anthology 3".

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Geburtstag der Queen wurde Martin 1996 zum Knight Bachelor geschlagen.

1997 behielt Sir George seinen hektischen Zeitplan voller Studioproduktionen und TV-Arbeiten bei. Dazu gehörte das Konzert "Music for Montserrat" in der Royal Albert Hall im September, das mit Paul McCartney, Eric Clapton, Sting, Elton John, Mark Knopfler, Midge Ure und Carl Perkins eines der hochkarätigsten Line-ups seit Live Aid versammelte. Darüber hinaus produzierte Martin Elton Johns Tribute-Album für Prinzessin Diana (darauf enthalten: die dreißigste Nummer-eins-Single seiner Karriere) und fand auch noch die Zeit, die dreiteilige BBC-Dokumentation "The Rhythm of Life" über den Einfluss, den Musik auf die Menschen ausübt, zu präsentieren.

Seine brillante und unvergleichliche Studiolaufbahn beendete George Martin 1998 mit zwei Albumproduktionen. Zunächst nahm er für "In My Life" ausgewählte Beatlessongs mit einigen seiner heroes and friends auf, nämlich Robin Williams, Jeff Beck, Phil Collins, Celine Dion, Goldie Hawn, Jim Carrey und Sean Connery. Begleitet von einer Making-of-Dokumentation erreichte das Album Goldstatus in Australien, Kanada, Neuseeland und dem United Kingdom. Martins allerletztes Studioprojekt schließlich galt einem alten Freund: Auf Anfrage von EMI und Yoko Ono arrangierte er John Lennons "Grow Old With Me" für dessen 4-CD-Boxset "Anthology".

1998 wählte ihn die British Phonographic Industry zum "Mann des Jahres", im Jahr darauf wurde Martin für seinen herausragenden Beitrag zur Musik in Amerikas Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen.

2001 veröffentlichte EMI das 6-CD-Boxset "Produced By", das zum ersten Mal einige von Martins besten Aufnahmen aus seiner fünfzigjährigen Studiotätigkeit zusammenbrachte. Versehen mit Linernotes von Mark Lewisohn, bot diese Kollektion aus Dutzenden Songs aus jeder Schaffensära nebst zahlreichen Anmerkungen und Anekdoten den definitiven Überblick über eine der großartigsten Musikkarrieren aller Zeiten.

Ende 2001 und Anfang 2002 verbrachte George Martin viel Zeit damit, die musikalischen Feierlichkeiten aus Anlass des Goldenen Thronjubiläums von Queen Elizabeth II. zu arrangieren, welche am 3. Juni in einem überaus erfolgreichen, weltweit übertragenen Rockkonzert vor dem Buckingham Palace ihren Höhepunkt fanden. Der DVD-Mitschnitt des Ereignisses, "Party At The Palace", brachte Millionen für wohltätige Zwecke ein.

2003 begann Martin mit der Musikproduktion der Show "Love", in der die Magie des Cirque du Soleil auf das Vermächtnis der Beatles trifft. Im Juni 2006 wurde "Love" unter dem Beifall der Kritiker in Las Vegas uraufgeführt. Das Projekt führte Martin im Studio wieder mit seinem ebenfalls als Produzent tätigen Sohn Giles zusammen, gemeinsam kreierten sie unter Verwendung von Beatles-Mastertapes eine einmalige Klanglandschaft im Surround-Sound, die im November 2006 von EMI/Capitol veröffentlicht wird.

Obwohl Martin mittlerweile weniger Zeit im Studio verbringt, arbeitet er immer noch hart. Er komponiert weiterhin, dirigiert Sinfoniekonzerte, hält Motivationsvorträge, unterstützt Wohltätigkeitsorganisationen (z.B. um seiner Lieblingskaribikinsel Montserrat zu helfen), berät Radiosender und die Regierung in musikalischen Belangen und betreibt weiterhin seine Verlagsgesellschaft. Außerdem ist Martin noch Vorsitzender des Beraterstabs von garageband.com, einer Internet-Musikgesellschaft mit Sitz in den USA.

In seiner bisherigen Karriere wurde George Martin zweimal mit dem Ivor Novello Award und fünfmal mit dem Grammy Award ausgezeichnet.

Oktober 2006