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www.babyshambles.net
19.09.2007
Biografie: "2007"
Babyshambles "Shotter's Nation"
(Parlophone // Release: 28.09.2007)
Wie will uns Pete Doherty eigentlich noch überraschen?
Vielleicht mit einem Tag ohne Meldung über sein Leben in einer dieser launigen Promi-Rubriken? Geschenkt. Liest doch eh keiner mehr.
Aber wie wäre es mit einer richtig guten Platte von Babyshambles? Einem Album, das endlich alle Versprechen hält, die Doherty als Musiker, Künstler, Songwriter und ehemaliger Co-Chef der Libertines gemacht hat - und lange Zeit nicht halten konnte? Wie wäre es mit fulminanten Songsammlung, bei der man nicht das Gefühl hat, einer Therapiesitzung beizuwohnen, sondern man einfach nur grandiose Musik hört?
Here you are: "Shotter's Nation" - das Großwerk von Babyshambles, denn unverhofft kommt oft!
Doherty selbst sagt: "Ich möchte ja nichts gegen meine anderen Platten sagen, aber dieses Mal ist uns wirklich ein tolles Album gelungen. Ich bin so stolz darauf . Es ist schon schade, dass so viele meiner anderen Platte mit Ärger verbunden waren, aber diese hier ist ganz simpel: Wir haben ein Album aufgenommen - hört sie an und habt Spaß." Man sollte in diesem Fall auf ihn hören.
Ein wichtiger Garant für die Qualität, die Kompaktheit und das durchgehend hohe Niveau von "Shotter's Nation" ist die englische Produzentenlegende Stephen Street, Vater des perlenden Britpopsounds, verantwortlich für die Klassiker von Bands wie Blur oder The Smiths. Und tatsächlich: Die Platte sitzt sie einer der unschlagbaren Designer-Anzüge von Hedi Slimane. Oder, wie Doherty sagt: "Dieses Mal trafen wir den Nagel auf den Kopf; bei ,Down in Albion' flogen die Nägel noch wie wild durch die Gegend." Und er gibt zu: "Selbstkontrolle war wichtig, wir haben uns alle darin geübt. Nach ein wenig Krawall und fliegenden Müllereimern schaute mir Stephen Street tief in die Augen - und ab da waren die Grundregeln klar und es lief alles von alleine."
Auf "Shotter's Nation" trifft die wilde Spontaneität und zweifellose Spielfreude der vier Musiker von Babyshambles auf das Bedürfnis, sich mit großer Lust und erstaunlicher Konzentration dem großen Popsong zu verpflichten. Das klingt mal sehr britisch (man höre die Kinks-Gitarren und die gloriosen Melodie der Leadsingle "Delivery" oder der frische Twang von "You Talk"), mal wunderbar entspannt (der lockere Jazzpop von "There She Goes") und mal tiefsinnig, reflektiv und tieftraurig wie auf dem sehr persönlichen Abschiedssong "Unbilo Titled". Der akustische Ausklang "Lost Art Of Murder" bringt sogar all das zusammen. An der Gitarre mit dabei ist die englische Folklegende Bert Jansch, und Doherty hat einen großen Moment, wenn er in der Schlüsselzeile "get off your back, stop smoking" einfach das letzte Wort weglässt. Die Melodie, der Song hat das letzte Wort. Ein wichtiges Statement.
"Die Platte ist sauber und hat doch scharfe Kanten", fasst Drummer Adam Ficek zusammen. Vor allem aber ist sie endlich mal ein Versprechen, das Pete Doherty gehalten hat. Er ist, wenn er sich und man ihn lässt, halt vor allem ein hochtalentierter und begnadeter Musiker. Gegründet hat Doherty die Babyshambles schon 2003, ein festes Lineup bekam die Band aber erst im Sommer 2004 nach dem Ende der Libertines. Das Debütalbum "Down In Albion" erschien im November 2005; 2006 stieß der neue Gitarrist Mick Whitnell hinzu, der Patrick Walden ersetzte. Fans seiner Musik freuten sich in diesem Jahr über viele MP3s von bis dahin unveröffentlichten Songs, die Doherty umsonst zum Download anbot - eine Tradition, die er schon zu Libertines-Zeiten gründete. Einige der Stücke finden sich nun auf "Shotter's Nation" wieder - jedoch in neuen, vollkommen anderen Versionen. War zum Beispiel "Delivery" als Free-Download noch eine karge Skizze gemalt mit wackliger Hand, ist die erste Singleauskopplung auf dem Album ein detailgenaues, farbenfrohes Gemälde. Damit kein falscher Verdacht aufkommt: Das Stück handelt zwar von Lieferungen - jedoch von Bierfässern, die ein junger Arbeiter in einer Brauerei tagaus, tagein zu schleppen hat. Doherty: "Aber dann kommt das Wochenende. Er zieht sein Lieblings-Fred-Perry-Shirt an, geht aus, hat seine Prügelei, findet ein Mädchen - und muss am Montag wieder in die Brauerei. Es ist ein Lied über die Flucht aus dem 9-to-5-Alltag; und es geht darum, wie verschieden der Typ an Montagen und Wochenenden Bier wahrnimmt."
Dohertys Texte sind lebensecht und wahrhaftig, zu keiner Zeit jedoch droht Selbstmitleid oder Ich-Bezogenheit. Vielmehr untermauert er seinen Ruf als einer der letzten Geschichtenerzähler des Rocks, als Poeten der Straße und Chronisten des britischen Lebens. "Baddie's Boogie" zum Beispiel erzählt die Story einer selbstzerstörerischen Ehe im zwanzigsten Jahr ihres Bestehens, und die Verse lassen in ihrer Genauigkeit Erinnerungen an Ray Davies von den Kinks wach werden.
Es wird dringend Zeit, das Bild von Pete Doherty wieder zurecht zu rücken -schließlich denken doch alle, sie seien zu klug, um sich von den Boulevardmedien und Nebenkriegsplätzen beeinflussen zu lassen. Dieses Mal macht Pete Doherty es uns wirklich einfach: Er hat mit Babyshambles eine Platte aufgenommen, die wir als das beurteilen sollten, was sie ist: brillante Musik.
"Shotter's Nation"
Tracklisting:
1. Carry On Up The Morning
(Adam "I had in mind a sort of early nineties hip hop or Soul 2 Soul type of groove.")
2. Delivery
(Drew "We feel that bands are too influenced by Americans. This is about Britain: 'grab a drink and go down town where all the mods and the skins will get together and pray it's 1969 forever' ")
3. You talk
(Drew "Peter wrote it in the Priory, I thought it sounded a bit like Nirvana's About A Girl at first")
4. Unbilotitled
(Adam "It's personal lyrics. It's the equivalent to Albion")
5. Side Of the Road
(Peter "A garagey song where we were trying to out white stripe the White Stripes")
6. Crumb Begging Baghead
(Adam "It's got a kind of stomping Stonesy kind of thing and elements of the Stone Roses")
7. Unstookietitled
(Drew "We took it from being a ballad/big rock sound live to something altogether different - and better - in the studio")
8. French Dog Blues
(Peter "He's the immortal character, he pops up all over the place in London on tube trains or old ladies' shopping baskets.")
9. There She Goes
(Drew "I saw a documentary and heard the producer talking about Walk On The Wild Side and I knew what kind of feel it should have")
10. Baddies Boogie
(Peter "A kind of baddy that comes good, like The A-Team")
11. Deft Left Hand
(Drew " It's the Brit Pop song on the album it starts of sounding a bit like an Oasis song and then the verse comes in and it sounds like Blur.")
12. The Lost Art Of Murder
(Peter: "Bert Jansch used to pop round on Sunday afternoons")
Babyshambles:
Pete Doherty - Voice & Guitars
Mick Whitnell - Guitars
Drew McConnell - Bass
Adam Ficek - Drums
